Marseille - Mafia-Stadt oder die Stadt der Freiheit?

Ein Lied berichtet!

Marseille

Namika feat. Black M - Je ne parle pas francais
 
Kennen Sie dieses Lied aus dem Radio?
 
Ich kannte zwar dessen Refrain, schenkte ihm aber bisher nie große Aufmerksamkeit.
 
Doch gestern kam ich in einem Café in Marseille mit einem deutsch-französischen Filmregisseur ins Gespräch. Wir plauderten über diese wunderschöne Stadt und deren besonderen Flair. Und sehr schnell "landeten" wir bei dem erwähnten Lied, welches für mich jetzt eine ganz besondere Bedeutung bekommen hat.
Denn langsam lerne ich die Stadt Marseille kennen und lieben. Marseille, der Ursprung und die Wurzeln meiner Familie Moustier (im 16. Jahrhundert)!
 
Namika beschreibt in ihrem Lied die Redeart der Südfranzosen:
"Du redest immer weiter / Ich find's irgendwie charmant / (…) Alles, was du so erzählst / Hört sich irgendwie nice an / Und die Zeit bleibt einfach steh'n / Ich wünscht', ich könnte dich versteh'n / Je ne parle pas français / Aber bitte red weiter“
 
Zwei Irländer regten sich genau darüber vorgestern auf: „Die Marseiller kommen nicht auf den Punkt! Sie reden und reden, aber ohne Zielaussage!“
Für Ausländer, die kein fließendes Französisch reden, kann es hier schwierig werden. Auch dies beschreibt Namika gut:
„Um uns über tausend Menschen / Sie reden aufeinander ein“
Hier gibt es nicht die Regel „einer redet, der andere hört zu“. Hier reden alle gleichzeitig und dann noch der Marseiller Akzent! :-D
 
Der Sänger „Black M“ beschreibt dann wiederum gut die Kontroversen zwischen Paris und Marseille, ihre Anti-Liebe:
„Fais vite, ici tout va vite / les Parisiens n'ont pas l'temps“ (Mach schnell! Hier geht alles schnell / Die Pariser haben keine Zeit)
„Oui, Paris est magique, mais Paris est aussi dark (Ja, Paris ist magisch, aber Paris ist auch schwarz)
Le contraste entre Pigalle et l'Arc (der Kontrast zwischen Pigalle und l´Arc)
Je vais pas te mentir, te dire qu'ici tout est rose (ich werde dich nicht belügen, indem ich dir sage, hier sei alles rosa)
Qu'il n'y a que des fleurs qui attendant d'être arrosées (… hier gäbe es nur Blumen, die darauf warten gegossen zu werden)
J'ai pas l'accent, mais du gefällst mir (Ich habe nicht den Akzent, aber du gefällst mir)
Est-ce que tu comprends ou il faut que je t'explique? (Verstehst du? Oder muss ich´s dir erklären?)
Tu es charmante comme ma ville (Du bist charmant wie meine Stadt)
Je te verrais bien comme elle: dans ma vie (Ich sähe dich gerne wie sie: in meinem Leben)“
 
 
Im Gespräch mit den Bewohnern von Marseille wird mir immer mehr über die Stadt deutlich:
Alle großen Plätze, wo keine Gebäude stehen, sind ehemalige heilige Plätze der Griechen. Die griechischen Seefahrer waren damals keine Eroberer, sondern wollten mit den Liguren- und Keltenstämmen Waren tauschen. Dazu erschien ihnen die vor Wind und Wellen geschützte Bucht zu Fusse des heutigen Paniers als der geeignetste Platz. Die Griechen waren die ersten in Marseille Fuss fassenden Fremden, die sich über Generationen hinaus mit den Liguren und Kelten zu Massalioten verschmolzen. (https://estherhaldimann.wordpress.com/2016/03/21/marseille-2600-jahre-handel-und-seefahrt/#more-436)
 
Die Unabhängigkeit und der Reichtum der Hafenstadt waren anderen Fürsten immer schon ein Dorn im Auge. So war Marseille immer schon mehr dem Mittelmeer und den südlicheren Kulturen zugewandt, als dem Norden Frankreichs.
 
Es gibt die scherzhafte Quizfrage: „Welches ist die nördlichste Stadt Afrikas?“ Marseille!
 
Der Unabhängigkeitskrieg in Algerien führte dazu, dass innerhalb weniger Jahre Marseille um das Doppelte an Einwohnern anwuchs. Die Folgen davon sind auch heute noch zu spüren, immer wieder gibt es gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den algerischen Mafia-Familien.
Manchmal heißt es auch, die Polizei hat die Kontrolle über diese Stadt verloren. Diese Geschichten sind durch Dokus vielen Europäern bekannt und wirken eventuell abschreckend. Andere wiederum kommen gerade deswegen hier her, sie sagen: „In Marseille ist eine Freiheit, die du nirgends anders hast. Hier kannst du machen, was du willst!“.
 
Auch mir gefällt dieser Lebensstil des "laissez-faire"! Er inspiriert mich bei dem Schreiben meines nächsten Buches. Es war eine gute Idee zur schriftstellerischen Arbeit hier her zu kommen.
 
Es ist schön zu wissen, wo meine Familie ihren Ursprung hat und bei Linkedin lauter Moustier´s, wohnhaft in Marseille, zu finden. Doch ich freue mich ebenfalls bald wieder zurück nach Lübeck zu kommen, den Ausblick auf das „etwas andere Meer“ zu haben und mich mit meinem Vor- als auch Nachnamen, Alice Moustier, wieder außergewöhnlich zu fühlen. ;-)
 
Copyright Foto: Benh LIEU SONG https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

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