14. Juli französischer Nationalfeiertag - Identität der Deutschen?

Meine Gedanken in Bordeaux im Bassin de Lumières

Foto: © biochip.harald (Instagram)

 

 

Diesen 14. Juli feierte ich das erste Mal in Frankreich, statt mit französischen Freunden in Deutschland. Der 14. Juli, ein besonderer Tag! Der Sturm der Bastille während der französischen Revolution.

Ich hatte nie ein Problem mit Stolz zu sagen: „Ich bin Französin!“

Aber wenn ich sagte: „Ich bin stolz Deutsch zu sein!“ wurde ich seltsam angeschaut.

 

Während meines Urlaubs an der französischen Atlantikküste (Nähe Bordeaux) nutze ich die freie Zeit, um Bücher über Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten zu lesen und mehr über die Kriegskinder zu erfahren und die transgenerationale Traumatisierung… unglaublich spannend, auch wenn eventuell ungewöhnlich als Urlaubslektüre ;-) Das Thema fesselt mich so sehr, dass ich mich schon sehr auf unser Theaterstück zu diesem Thema freue (siehe Gedenktag 2020: https://www.hl-live.de/aktuell/text.php?id=138898)

 

Doch immer wieder stellt sich mir die Frage: Warum darf ich stolz sein auf meine französische Nationalität, aber nicht auf meine Deutsche?

Gab es nicht auch tolle deutsche Künstler, Sänger, Kulturschaffende?

Gibt es nicht genügend Dinge, auf die wir Deutschen stolz sein können?

Natürlich ist mir bewusst, was für schreckliche Dinge die Nazis im zweiten Weltkrieg begangen haben. Dies zeigte sich insbesondere auch nochmal bei unserer Besichtigung des ehemaligen Nazi-U-Boot-Bunkers in Bordeaux, dessen große Räume inzwischen als Fläche für Lichtprojektionen („Bassin de lumières“) verwendet werden. Diese Ausstellung hat mich sehr bewegt. Bewegende Kunst in einem Gebäude, welches früher dem Krieg diente. Gegensätzlicher geht es nicht. Doch fragte ich mich bei dem Satz „...als die Franzosen von den Nazis befreit wurden“, ob es wirklich für alle Franzosen als „Befreiung“ empfunden wurde oder wieviele auch von den Franzosen Hitler befürworteten?

 

Wenn ich auf meine Familiengeschichte zurück blicke und die Nazizeit, muss ich mich für meine französische Familie fast mehr schämen, als für meine Deutsche. Meine deutschen Großeltern waren noch Kinder während des Krieges und so gesehen „unschuldig“. Mein französischer Großvater jedoch arbeitete für die Deutschen in Österreich und sein Bruder kämpfte selbst für die deutsche Armee in Berlin. Als französischer Collaborateur musste er sich nach dem 2. Weltkrieg ein Jahr in der Schweiz verstecken, um nicht vor Gericht geführt zu werden.

 

Für welche Nationalität muss ich mich also eigentlich schämen? Muss ich mich überhaupt noch schämen?

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