20. Juni Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten

Wenn die Heimat plötzlich nicht mehr Heimat sein darf

 

75. Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung – einen Brückenschlag zwischen damals und heute



Am vergangenen Samstag, dem 20. Juni 2020, wurde zum bundesweitenGedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibungauch in Lübeck ein Treffen organisiert und an die schrecklichen Folgen des Zweites Weltkrieges erinnert.

Allein aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern, dem Sudetenland oder osteuropäischen Gebieten mussten ca. 14 Millionen zwischen 1945 und 1953 ihre Heimat verlassen oder vor der Roten Armee flüchten.

Alice Moustier veranstaltete gemeinsam mit ihrem Projektkollegen Eric Bahr und interessierten  Lübecker*innen um 16 Uhr eine Gedenkstunde im Wald in Lübeck-Kücknitz, in dem sich damals das Pöppendorfer Lager befand. Das Pöppendorfer Lager war eines der größten Durchgangslager (eine Millionen Flüchtlinge) in Schleswig-Holstein und ist signifikanter Teil der neueren Lübecker Stadtgeschichte. 

Eric Bahr, dessen eigene Familiengeschichte durch Flucht und Vertreibung geprägt wurde und Alice Moustier, motiviert durch ihre Arbeit als Coach, wollen in einen interdisziplinären Theaterprojekt die Folgen der Traumata der Kriegskinder-Generation aufarbeiten und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen. Trotz kurzfristiger Planung stieß die Veranstaltung auf unerwartet große Resonanz und markierte zugleich den Beginn des Projektes, für das noch Zeitzeugen und interessierte (Laien-) Darsteller gesucht werden.

In einer kleinen Ansprache berichtete Alice Moustier über die Folgen der Flucht von 1945 und die vielen Traumata, die bis heute in unsere Gesellschaft hineinwirken. Moustier und ihre Mitstreiter wollen die Folgen des Zweiten Weltkrieges aus der Perspektive der Traumata-Forschung künstlerisch erzählen. Die Latrinen und Baracken des Pöppendorfer Lagers sind nicht mehr zu sehen, nur die Wölbungen des Boden lassen die Geschichte des Ortes noch vage erkennen, aber die Wunden sind teilweise noch immer nicht geschlossen.

Alice Moustice: „Ich bin begeistert, wie viele Menschen so spontan gekommen sind und bereit waren ihre ganz persönlichen Kindheitsgeschichten zu erzählen. Das ergreift mich zutiefst und stimmt mich mit Blick auf unser Theater-Vorhaben sehr zuversichtlich. Ich bin überzeugt, dass diese Kriegstraumata unserer (Ur-)Großeltern auch in meiner Generation noch eine wichtige Rolle spielen.

Ein erster Antrag zur finanziellen Förderung des Vorhabens einer größeren Lübecker Stiftung wurde leider abgelehnt. Es haben mich bereits so viele Menschen auf die Idee angesprochen. Die Begeisterung für das Projekt, das im Lübecker Wald stattfinden soll und dadurch Corona-tauglich gut durchzuführen ist und der 75. Jahrestag des Kriegsende in diesem Jahr überzeugen mich sehr, das Theaterprojekt zu realisieren und auf anderweitige Förderung zu setzen. Wir wollen aus der Geschichte lernen und sensibel versuchen, Parallelen zu Flucht und Vertreibung im 21. Jahrhundert aufzuzeigen“ So Moustier.

Tatsächlich sind die motivierten Projektmacher noch auf kräftige ideelle und finanzielle Unterstützung angewiesen. Wir wünschen den beiden engagierten Kulturschaffenden viel Glück und freuen uns hoffentlich diesen Sommer noch über das Theaterprojekt berichten zu können.

 

Publiziert am 23.6.2020 in HL-Live

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